| Mastdarmkrebs ist unter den Dickdarmkrebserkrankungen vergleichsweise am schwierigsten zu behandeln. Dies liegt an der besonderen anatomischen Situation im knöchernen kleinen Becken. Hier erreichen bösartige Tumore bei ihrem Wachstum sehr rasch die knöcherne Begrenzung des Beckens und können in den Knochen infiltrieren.
Der Chirurg kann somit bei der Operation nur einen begrenzten und letztlich kleinen Sicherheitsabstand im Rahmen der Resektion im Querdurchmesser des Beckens erzielen. Die chirurgische Resektion ist auf die Ausdehnung des Weichgewebes im kleinen Beckens beschränkt.
Die radikale Entfernung des den Mastdarm umgebenden Fett- und Lymphgewebskörpers (sog. Mesorektum) erfordert eine besondere chirurgische Technik und Sorgfalt. Sie gilt heute als der wichtigste Schritt zur Erzielung einer Heilung durch die Resektion und wird als totale Mesorektumexzision - TEM) bezeichnet. Werden hier gravierende Fehler gemacht, ist dies nicht durch Zusatztherapien zu kompensieren. Wird hier verantwortungsvoll und hinreichend radikal operiert kommen zusätzliche Behandlungsmodalitäten in ausgewählten Fällen fruchtbar zum Tragen.
In der Behandlung des Mastdarmkrebses hat sich in den letzten Jahren die Therapiestrategie geändert. In zahlreichen Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass ab einer bestimmten Tumorgröße, bzw. mit dem Nachweis von lokalen Lymphdrüsenvergrößerungen (also dem Verdacht auf Lymphknoten-Metastasen im Mesorektum und weiter oben zur Bauchhöhle hin), mit einer vor der Operation durchgeführten, kombinierten Chemo- und Strahlentherapie („Neoadjuvante Therapie“) erheblich verbesserte Behandlungsergebnisse erreicht werden können. Vor allem die Gefahr eines Wiederauftretens des Tumors nach der radikalen Chirurgie kann durch solche Zusatztherapien deutlich gemindert werden.
Die Entscheidung zu einer solchen, vor dem operativen Eingriff durchgeführten Radio-Chemotherapie, erfolgt bei Patienten mit Mastdarmkrebs nach Zusammentragung aller diagnostischen Befunde meist in einer sogenannten interdisziplinären Tumorkonferenz, an welcher der Chirurg, der Gastroenterologe, der Onkologe, der Pathologe und der Strahlentherapeut beteiligt sind. Ansonsten gelten grundsätzlich die gleichen technischen Operationsprinzipien wie beim Dickdarmkrebs anderer Lokalisation (Colon-Karziniom).
Anatomisch hat der Mastdarm jedoch einige Besonderheiten, die bei der Operation beachtet werden müssen. Der Mastdarm gliedert sich in ein oberes, mittleres und unteres Drittel. Das obere Drittel liegt in der Bauchhöhle und wird entsprechend wie dieser behandelt. Das mittlere Drittel liegt bereits zu einem Teil außerhalb der Bauchhöhle (im sogenannten kleinen Becken unterhalb des Bauchfells), während das untere Drittel vollständig außerhalb, in den tiefen Beckenweichteilen liegt und mit dem Schließmuskel und After endet.
Liegt der Tumor im oberen oder mittleren Drittel, so kann dieser in der Regel mit dem dazugehörenden Fettkörper, Blutgefäßen und Lymphknoten meist entfernt werden, ohne dass der Schließmuskel Schaden nimmt. In diesen Fällen ist ein direkter Anschluss des Dickdarmes durch Naht an den restlichen Mastdarm möglich. Wird die Darmnaht kurz oberhalb des Schließmuskels notwendig, so sollte ein neues Darmreservoir aus Dickdarmgewebe gebildet werden um die Stuhlgewohnheiten postoperativ zu verbessern. Man spricht von einer „Pouch-Bildung“ (Beutelbildung).
Bei allen komplexen Operationen im tiefen kleinen Becken und bei operativen Schwierigkeiten wird meist vorübergehend ein "schützender Darmausgang" am Dünndarm oder rechten Dickdarm für 2-3 Monate angelegt um die Nahtanlagen der Darmverbindungen (Anastomose und Pouch-Bildung) zu entlasten und den Darm für die Heilung in dieser Region ruhigzustellen.
Der Darmausgang wird meist als Dünndarmausgang angelegt und kann nach Abheilung der Darmnähte innerhalb von 2-3 Monaten mit einer vergleichsweise einfachen Operation (Stoma-Rückverlagerung) wieder entfernt werden. Der Darmausgang wird als Stoma bezeichnet und macht die Operation für den Patienten erheblich sicherer. Ohne eine solche Ruhigstellung können Nahtheilungsprobleme und Durchblutungsstörungen der Darmrekonstruktionen im kleinen Becken rasch zu lebensbedrohlichen Komplikationen auswachsen.
Liegt der Tumor sehr tief und Schließmuskelnahe im unteren Drittel des Mastdarms, besteht die Gefahr, dass es nicht gelingt, den Krebs mit einem hinreichenden Sicherheitsabstand zu entfernen. In diesen Situation muss der Schließmuskel um eine Heilung zu erzielen konsequenterweise entfernt werden um keinen inakzeptablen Kompromiss einzugehen und den Patienten durch ein Wiederauftreten des Tumors (Belassene mikroskopische Tumorreste / Lokalrezidiv) zu gefährden. In einer solchen Situation muss ein definitiver also endgültiger Darmausgang angelegt werden.
Der neue Darmausgang erlaubt dann ein fortgesetztes soziales Leben, welches bei einer Ausleitung des Darmes in der Dammregion ohne funktionsfähigen Schliessmuskel unmöglich wäre (Inkontinenz). |